23.01.2020

Biases in der Gründungsphase & beim Geschäftsausbau

Ein Unternehmen zu gründen bzw. auszubauen bedeutet viele Entscheidungen zu treffen. Unsere unbewusste Seite ist selbstverständlich höchst aktiv und führt uns leicht auf die falsche Spur - hier die wichtigsten Biases, die auch mich in den letzten Monaten intensiv begleitet haben. 

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Overconfidence (übertriebenes Selbstvertrauen)

Selbstvertrauen ist gut und notwendig während der Gründung. Dieser Denkfehler liegt jedoch darin die eigenen Fähigkeiten und Beurteilungen wesentlich besser zu sehen als sie sind. Dazu gehört auch den persönlichen Einfluss auf ein Ergebnis einschätzen zu können.

Es ist in vielen Studien belegt, dass das Vertrauen in die eigenen Einschätzungen und Prognosen deutlich höher ist als die entsprechende Genauigkeit. Daneben wird die Rolle des Zufalls gerne als zu gering eingeschätzt.

Was kann dabei problematisch werden? 

Die Realität hält sich nicht zwangsläufig daran, wie wir glauben sie beeinflussen zu können. Vor allem in der Phase der Business Plan-Erstellung, in der Prognose der Nachfrage nach den eigenen Produkten im allgemeinen und in der Kundenakquise im speziellen können grobe Fehler aufgrund dieses Biases passieren.

Die Verbindung mit übermäßigem Optimismus (s. Dezember-Newsletter) kann dazu führen, Risiken zu übersehen (und daher nicht zu berücksichtigen) sowie generell positive Aspekte zu stark zu gewichten und Störendes auszublenden.

 

Confirmation Bias (Bestätigungsfehler)

Dieser Bias lässt und Aussagen und Informationen, die unsere bestehende Meinung stützen, stärken gewichten als die, die dagegen sprechen. Daneben führt er leicht zu einer selektiven Wahrnehmung und lässt wichtige Informationen ausgeblendet.

Der Effekt wird stark davon geprägt, wie unser Umfeld strukturiert ist (konform vs divers), welche Informationsquellen wir konsumieren oder wie der Prozess der Meinungsbildung funktioniert.

Was kann passieren? 

In der Gründung investieren wir viel in unsere Idee - Emotionen, Zeit und Geld - und haben dabei relativ wenige Fakten, die uns Sicherheit geben. Die Herausforderung besteht darin die ständig neu hereinkommenden Informationen im Laufe der Zeit objektiv zu beurteilen, daher sowohl positive als auch negative Signale richtig zu interpretieren.

Nicht jeder Plan oder Teil des Unternehmens wird erfolgreich sein, der Bestätigungsfehler kann leicht dazu führen zu lange einer Idee zu folgen und nicht rechtzeitig die Spur zu wechseln (hier gibt es einen engen Konnex zur sunk cost fallacy).

 

Self serving bias

Das ist die Tendenz externe Faktoren für Misserfolge verantwortlich zu machen (Kunden, Konkurrenz, Partner,…) und Erfolge auf eigene Kompetenzen, Fähigkeiten und Entscheidungen zurück zu führen. Dies führt leicht zu einer Verstärkung des oben behandelten overconfidence bias. Warum? Der overconfidence bias basiert auf der verzerrten Einschätzung des eigenen Einflusses auf die Außenwelt. Wenn wir nun positive Ereignisse als Auswirkung der eigenen Kompetenz beziehen, glauben wir immer fester daran und entfernen uns weiter von der Realität.

Was können Effekte sein? 

Die möglichst realistische Einschätzung des Geschäftserfolgs stellt eine gro0e Herausforderung dar, da die nächsten Entscheidungen sowie die Unternehmenssteuerung davon ausgehen. Speziell EPUs können hier leicht falsche Schlussfolgerungen treffen, sofern sie keine Personen hinzuziehen, die die Perspektive durch den Blick von außen relativieren.

Wichtige Entscheidungen brauchen ein gutes Fundament und werden im Idealfall aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Feedback, Fragen und Sparring müssen nicht lange dauern (die „dummen“ Fragen können die besten sein) – darauf zu verzichten stellt sicherlich ein Risiko dar.

 

Was kann ich das Thema weiter nehmen?

Neben diesen 3 Biases sind noch mehr in der Gründungsphase sowie bei Neuausrichtung des bestehendes Geschäfts relevant -  kontaktiere mich gerne für weitere Informationen.

Wir erarbeiten konkrete Maßnahmen gegen diese und weitere Biases ganz individuell oder in Workshops oder Webinaren