Was Unconscious Biases sind und was sie bewirken - eine Definition

Der englische Begriff "Bias" wird manchmal unscharf übersetzt, da er verschiedenste Phänomene bezeichnen kann (Details zu Bedeutungen und Definitionen).

Es ist daher wichtig eine Definition von Unconscious Biases zu verwenden, die praktisch relevant und anwendbar ist.


Unconscious Biases - eine Definition zur praktischen Anwendung

Biases lassen sich durch folgende Merkmale beschreiben, sie sind:

  • eine fehlerhafte,
  • systematische Abweichung,
  • basieren auf kognitiven Heuristiken,
  • bleiben meist unbewusst und
  • sind zu einem gewissen Grad vorhersehbar.

Biases führen zu einem Ergebnis, das als irrational bezeichnet wird. Beim Begriff der Irrationalität geht es nicht um eine objektiv richtige Sicht der Welt. Die systematische Abweichung führt zu einem Ergebnis, das nicht im Sinne der entsprechenden Person bzw. deren Umfeld ist, sondern nachteilig. Bei Abwesenheit des Bias wäre dieser negative Effekt nicht vorhanden, die Handlung wäre daher rational.


Kognitive Heuristiken, die auch als Denkmuster bezeichnet werden, sind für Menschen ein zentrales Element und werden näher bei den Hintergründen für Biases behandelt.


Biases werden manchmal als kognitive Verzerrungen ins Deutsche übersetzt - in weiterer Folge wird die ursprüngliche Bezeichnung verwendet.


Was bedeutet die Unconscious Bias Definition praktisch?

Die praktische Konsequenz von Biases ist ein negativer Effekt auf die jeweilige Person oder deren Umfeld, etwa deren Familie oder Arbeitsumfeld. Die Person ist sich des Bias in der Regel nicht bewusst und glaubt in der konkreten Situation objektiv und rational zu handeln.

Dieses Phänomen wird als bias blind spot bezeichnet - das Nichterkennen der eigenen, relevanten Biases. Dadurch weicht die Selbsteinschätzung ebenfalls von der real existierenden Situation ab. 

Unconscious Biases kann man als Konsequenz der extrem schnellen Arbeitsweise unseres Gehirns sehen, die sich in der Evolution bewährt hat - allerdings handeln wir weniger rational als wir selbst glauben!


Eine weitere Auswirkung von Unconscious Biases kann sich aufgrund der Vorhersehbarkeit mancher Effekte ergeben. Das Wissen einer Person von unbewussten Biases einer anderen lässt sich zum eigenen Vorteil nutzen - das gewünschte, für die ausführende Person nachteilige, Verhalten wird "getriggert", daher gezielt ausgelöst. 



 

 

Bias - die verschiedenen Bedeutungen und Definitionen

Der Begriff Bias kommt aus der englischen Sprache.

  1. Im Bereich der Technik bezeichnet er eine konstante, einseitige Größe (etwa elektrischen Strom oder Spannung) bzw. eine Vormagnetisierung von Bandmaterial durch die Überlagerung eines hochfrequenten Signals bei der Aufnahme.
  2. Ebenso wird eine Verzerrung, eine Messabweichung oder ein systematischer Fehler im Bereich der Technik bzw. Mathematik als Bias bezeichnet. Hier ergibt sich ein Konnex zum Bereich der Psychologie.
  3. Bias im Kontext menschlichen Handelns wird verschieden übersetzt und bezeichnet etwa:
    • Einseitigkeit
    • Parteilichkeit
    • Tendenz oder Neigung
    • Befangenheit
    • Vorliebe
    • Vorurteil oder Voreingenommenheit
    • kognitive Verzerrung

Bei der Verwendung des Begriffs Bias ist daher immer der Kontext sowie die jeweilige Übersetzung der oft englischsprachigen Texte zu beachten. Sie spiegeln die verschiedensten Bedeutungen wider.


 

Übersicht über Unconscious Biases

Mithilfe einer schnellen Internet-Recherche, etwa auf Wikipedia, lässt sich die Anzahl unbewusster Biases rasch feststellen. Es werden ca. 200 verschiedene Spielarten von Unconscious Biases unterschieden.

Zwecks besserer Übersicht entstanden verschiedenste Versuche sie in Kategorien einzuordnen. Diese Gliederungen entstammen in der Regel der psychologischen Theorie oder werden sehr spezifischen Anwendungsfeldern (etwa sehr häufig Diversität & Inklusion) zugeordnet.


Diese Klassifikationen bieten gute Übersichten bei bereits bestehendem Fachwissen oder reduzierten inhaltlichen Interessen. Sie befriedigen jedoch nicht

  • aus praktischer Sicht, insbesondere aus der Unternehmensperspektive und
  • um die große Anwendungsbreite von Unconscious Biases zu würdigen.


Eine praktische, neue Systematik von Unconscious Biases

Mind your business hat eine eigenständige Systematik von Unconscious Biases entwickelt. Diese erlaubt:

  • die verschiedensten Biases praktischen Tätigkeiten zuzuordnen,
  • konkrete Anwendungsfälle in Beziehung zu setzen (im Privaten oder in Unternehmen) und
  • effektive Gegenmaßnahmen darauf aufzubauen.


Unbewusste Biases wirken sich auf die folgenden fünf Themenbereiche aus:

  1. Wahrnehmung - wir interpretieren wir Informationen aus unserem Umfeld, durch welche Brille sehen wir die Welt
  2. Beurteilung - wie kommen wir zu Meinungen, Urteilen und Prioritäten
  3. Entscheidung - wie wählen wir aus mehreren Optionen eine aus, aufgrund welcher Kriterien
  4. Interaktion - wie kommunizieren und arbeiten wir mit anderen zusammen und welche Wechselwirkungen ergeben sich dadurch
  5. Umsetzung - wie implementieren wir getroffene Entscheidungen und beurteilen den Erfolg dabei

Zentral dabei ist auch die Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen zu berücksichtigen. So ist etwa ein Entscheidungsprozess in einem Managementmeeting durch verschiedene Biases beeinflusst, im Fokus stehen dabei die Themen Entscheidung und Interaktion.


Der wesentliche Vorteil dieses Zugangs zeigt sich in der Diskussion mit Menschen aus der Praxis und beim Transfer konkreter Verbesserungsmaßnahmen. Mind your business basiert auf langjährigen, praktischen Fragestellungen und deren Lösung - psychologisch, theoretische Methoden bieten im Vergleich weniger Ansatzpunkte für einen gelungenen Transfer.


 

 

 

Die Anwendung der fünf Themenbereiche

Die praxisbasierende Gliederung ist die Grundlage der verschiedenen Workshops und Webinare

Sie findet ebenso in den verschiedensten Stufen des De-Biasing ihre Anwendung, wo es um konkrete Maßnahmen gegen die negativen Effekte von Biases geht.

 


Übersicht zu Artikeln mit Praxisbezug

Die Auswirkungen von Unconscious Biases

Biases und Denkfehler wirken auf der persönlichen Ebene, zwischenmenschlich sowie in Teams und Organisationen. Die etwa 200 verschiedenen Biases wirken je nach ihrer Natur und Ausprägung in allen fünf Bereichen.

Beispiel persönlicher Bereich:

  • Wahrnehmung: ich nehme nur selektiv Informationen war zu einer wichtigen politischen Frage. 
  • Beurteilung: ich überschätze meine Fähigkeiten in meiner Lieblingssportart und verletze mich.
  • Entscheidung: ich nehme regelmäßig an Glückspielen teil, da ich meine Gewinnchancen zu hoch einschätze.
  • Interaktion: ich werde dazu überredet eine überteuerte Immobilie zu kaufen.
  • Umsetzung: ich erkläre im Nachhinein, warum es so musste, dass sich mein Jobwechsel als richtig herausgestellt hat.


Unconscious Biases haben negative Auswirkungen bei uns allen. Sie sind nicht auf die persönliche Ebene beschränkt - Biases in Unternehmen führen dazu, gegenüber der Konkurrenz schlechter abzuschneiden und gefährden im schlechtesten Fall die Existenz der Organisation. 

Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung basieren ebenfalls auf verschiedenen Biases.


Es zahlt sich daher aus, sich auf verschiedenen Ebenen mit Unconscious Biases zu beschäftigen sowie Gegenmaßnahmen zu erarbeiten - hier sprechen wir von De-Biasing.


Was sind die Hintergründe für Biases? Je besser wir diese verstehen, desto effektiver können wir gegen sie vorgehen.


Stereotype und Vorurteile

Biases sind eng verbunden mit der Bildung von Stereotypen, insbesondere aus den Kategorien Wahrnehmung und Beurteilung.

Als Stereotype versteht man eine vereinfachte, einprägsame und oft bildhafte Beschreibung von Personen oder Gruppen. Diesen werden bestimmte Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen zugeschrieben. Der Prozess einer schnellen Kategorisierung etwa aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes läuft automatisch und schnell ab, Biases können hier entsprechend wirken bzw. verstärkt werden, da bestehende Stereotype Elemente wie Wahrnehmung oder Beurteilung beeinflussen können.

Vorurteile sind im Vergleich zu Stereotypen mit Emotionen beladen, positiven oder negativen. Stereotypen sind die praktische Vorstufe - wenn sie geglaubt werden und affektive Wirkung entfalten, spricht man von Vorurteilen.  Der Konnex zu Biases ist eine zirkuläre - Vorurteile können Biases verstärken (etwa relevant beim Bestätigungsfehler), Biases können Vorurteile weiter festigen.


Sind Biases nur negativ?

Diese Frage wurde in Workshops oder Webinaren schon oft gestellt - sind Biases immer nur negativ?

Die Antwort darauf lautet - Biases haben laut den gängigen Definitionen negative Auswirkungen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir dadurch schlechte Menschen sein müssen.

Unconscious Biases sind ein Nebeneffekt von Mechanismen, die uns als Menschheit evolutionär erfolgreich gemacht haben. Unser Autopilot im Gehirn führt uns größtenteils fehlerfrei durchs Leben, unser Gehirn ist ein beeindruckendes Organ.

Wir können nicht leugnen, dass Unconscious Biases vorhanden und tief verwurzelt sind - dies ist über Jahrzehnte wissenschaftlich erforscht und hinreichend belegt.

Die Quintessenz:

  • Wir sind Menschen - wir haben Biases.
  • Akzeptieren wir dieses Faktum und vergessen wir nicht:


Wir haben die Möglichkeiten die negativen Effekte zu verringern durch De-Biasing!