20.09.2020

Response-ability - mehr als Verantwortung

junge freu die unsicher aussieht

Die letzten Wochen haben Eindruck gemacht - bei allen meinen Freunden und Bekannten hat sich das Leben verändert. Plötzlich Homeoffice, finanzielle Sorgen, der Verlust von der gewohnten Bewegungsfreiheit und Vielfalt, mehr Druck im Job, Wegfall vom Hauptinhalt der Arbeit - alles dabei und noch viel mehr.
Welche Kompetenz hilft uns damit besser umzugehen?

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Ich erinnere mich an die ersten Tage nach den massiven Einschränkungen und deren Auswirkungen - anfangs schwankend zwischen dem Bedürfnis schnell Ersatz für die weggebrochenen Aktivitäten zu finden und dem Wissen, dass gerade jetzt Klarheit notwendig ist. Manchmal optimistisch (mein Lieblings-Bias), dann wieder zurück beim Start angelangt - zwei Wochen kein eindeutiger Sieger! Was ist hier wichtig?

Neue Perspektiven zu entwickeln ist eine der bereicherndsten Dinge, es öffnet die Augen. Die Voraussetzung dafür ist Klarheit und das Bewusstsein, selbst Optionen schaffen zu können. Mir hilft dabei das Wort "responsibility", bewusst nicht übersetzt.

In die Einzelteile zerlegt, erhalten wir "response-ability". Es dreht sich also um die Fähigkeit, Antworten zu finden - Antworten auf neu auftauchende Fragen, Veränderungen oder Herausforderungen. Welche wir dann davon wählen, ist unsere Entscheidung.

Durch diesen Zugang können wir uns klar machen, dass zwischen einem Ereignis, einer neuen Situation oder einem rasch geänderten Umfeld und unserer Reaktion darauf etwas dazwischen liegt - das gilt es in der Situation zu erkennen. Wir müssen nicht gewohnte Bahnen befahren, wir müssen nicht so reagieren wie immer. Wir haben die Wahl.

Doch was hilft uns um mehr Wahlmöglichkeiten in dieser Lücke zwischen Reiz und Reaktion treffen zu können?

Hier sind die drei wichtigsten Faktoren:

  • Selbstwahrnehmung - wir hatten in den letzten Wochen viele gute Möglichkeiten uns selbst zu beobachten. Was tun wir? Wie reagieren wir? Was sind typische Muster?
    Wichtig ist hier möglichst urteilsfrei zu agieren - statt "ich bin wütend / mutlos / …" hilft es die eigenen Emotionen neutral wahrzunehmen ("ich fühle in dieser Situation Wut / fehlenden Mut /…"). Rasch lernt man so sich nicht durch bestimmte Emotionen zu definieren, sondern zu sehen, welche Emotionen in welchem Kontext auftreten.
  • Phantasie - diese zentrale (und nicht digitalisierbare) Fähigkeit zeichnet uns aus, um neue Möglichkeiten im Kopf zu entwerfen. Vielleicht alleine, vielleicht mit Partner - jedenfalls können wir uns vorstellen, wie sich unser Umfeld weiterentwickeln kann und was wir hier unsererseits anders machen könnten.
  • Urteilsvermögen - welche Option passt? Das ist zum einen eine Frage an unsere höchstpersönlichen Werte und Normen - klar denken bedeutet diese möglichst gut zu kennen und auszuformulieren. Zum anderen hilft hier zu wissen, welche unbewussten Faktoren unser Urteil prägen. Diese Denkmuster und Biases sind ebenfalls individuell - es öffnet die Augen zu erkennen, wie sie uns tatsächlich lenken.

Diese drei Faktoren helfen meiner Erfahrung nach ungemein, neue Möglichkeiten zu schaffen und auch danach die Wahl der passendsten davon zu treffen. Wir können sie schärfen, indem wir sie in den Fokus rücken und rechtzeitig entwickeln. Pro-Aktivität bedeutet daher auch mehr als Initiative - es geht darum die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, um "response-ability" zu schaffen.

Mir hat dieser Zugang schon oft im Laufe der Jahre (so wie auch jetzt) geholfen, neue Perspektiven zu entwickeln - ein paar davon erzähle ich im kostenlosen Webinar "Besser entscheiden in der Krise".

Wir haben es selbst in der Hand aus jeder Krise zu lernen und uns rechtzeitig auf die nächste vorzubereiten - denn die kommt leider bestimmt!