18.08.2022

FOBO in Unternehmen

sieben geschlossene tueren

Welche ist die beste Option?

Welche Entscheidung sollen wir treffen, um unser Ziel am besten zu erreichen?

In der heutigen Welt gibt es in der Regel eine Fülle von verschiedenen Alternativen - das könnte ein Fall von FOBO sein.

Was bedeutet FOBO in Unternehmen?

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FOBO steht für "Fear of Better Options" (Furcht vor besseren Optionen) und bezeichnet die Unfähigkeit, sich zwischen verschiedenen Optionen zu entscheiden, wenn diese möglich und gut scheinen. Auf persönlicher Ebene handelt es sich um eine emotionale Erfahrung, die eines oder mehrere der folgenden Elemente beinhaltet:

  • Stress aufgrund des Wunsches, so viele Optionen wie möglich in den Entscheidungsprozess einzubeziehen,
  • Angst, dass das Ziel nicht erreicht werden kann, 
  • Frustration während des Entscheidungsprozesses oder als Folge davon,
  •  Bedauern, wenn eine Entscheidung getroffen wurde (Befürchtung, dass eine bessere Option hätte gewählt werden können),
  • Unentschlossenheit im Falle des Nichthandelns. 


FOBO im Wirtschaftsleben

Die Furcht vor besseren Optionen kann Entscheidungsprozesse auch in der Wirtschaft massiv verzerren.

Stellen Sie sich vor, Sie rekrutieren eine wichtige Position in Ihrem Team. Sie haben die fünf aussichtsreichsten Kandidat:innen in die engere Auswahl genommen, nachdem Sie ordentliche Vorstellungsgespräche geführt haben. Sie erfüllen die von Ihnen definierten Anforderungen weitgehend, aber nicht perfekt. 

Was tun?

Sie entwerfen den Vertrag für die Nummer eins auf Ihrer Auswahlliste - eine vielversprechende Managerin aus einer anderen Branche. Aber Sie schicken ihr das Angebot nicht. 

Eine weitere Bewerbung ist eingegangen, die perfekt zu passen scheint. Daneben hören Sie von zwei Kollegen, dass sie jeweils eine Person kennen, die sie für Ihr Team empfehlen würden. Also beschließen Sie diesen Optionen nachzugehen, sie könnten die bessere Wahl sein.

Eine Woche später: Das Vorstellungsgespräch mit dem vielversprechenden neuen Bewerber war ein Desaster, die empfohlenen Personen zeigten kein Interesse.

Leider ist die vielversprechende Dame aus Ihrer Auswahlliste nicht mehr verfügbar, und auch die anderen Kandidaten haben das Interesse verloren, da sie seit Wochen nichts mehr von Ihnen gehört haben.

Die Suche beginnt wieder von vorne…

 

Im Geschäftsleben gibt es viele Ziele und Interessen zu berücksichtigen. Wir wurden oft dazu sozialisiert Ergebnisse zu maximieren und die beste Option zu wählen. Das kann sehr beunruhigend sein, und die Zahl der Optionen hat tendenziell zugenommen. Das Internet und die massenhafte Einführung hochentwickelter Technologien haben die Verfügbarkeit von Informationen beschleunigt.

Dies kann dazu führen, dass wir von der Auswahl überwältigt werden und zu viel nachdenken - auch im Geschäftsleben.

Der Wunsch, das Ergebnis einer Entscheidung zu maximieren, macht FOBO äußerst relevant. Die übliche Unvollständigkeit von Informationen in Kombination mit zusätzlichen (und potenziell unbekannten) Optionen stellt eine Belastung dar.

Infolgedessen werden Entscheidungen möglicherweise nicht rechtzeitig getroffen - anstatt die beste Option zur Erreichung eines Ziels zu realisieren, wird das Ziel völlig verfehlt. Statt der besten Option wird keine Option gewählt, oder die Entscheidung erfolgt zu spät - mit kostspieligen Auswirkungen!

Dies ist nicht nur relevant wie beim Beispiel aus dem Personalwesen - denken Sie an Investitionsentscheidungen, Strategieentwicklung, Projektmanagement usw. 

Die Furcht vor besseren Optionen ist in der heutigen Geschäftswelt von großer Bedeutung!

 

Der Hintergrund von FOBO

Um zu überlegen, wie die Auswirkungen von FOBO gemildert werden können, diskutieren wir zunächst die Hintergründe und Bedingungen dieses Phänomens.

Der Hintergrund des Phänomens liegt, ähnlich wie bei anderen Mustern und unbewussten Biases, in unserer Vergangenheit. Im Laufe der Evolution war das Hauptziel das Überleben der Art. Maximierungsentscheidungen wirkten sich direkt auf die Überlebenschancen aus. Man denke nur an die Entscheidung, wo man seine begrenzte Energie zum Sammeln von Nahrung in einer feindlichen Umgebung einsetzen sollte. Oft war es sinnvoll, auf eine bessere Option zu warten.

In der heutigen Welt kann dieses Muster unserem Wohlbefinden und unserer Effektivität sogar schaden - was sind die Bedingungen für die Angst vor besseren Optionen?

  1. Damit wir FOBO erfahren können, braucht es eine Beobachtung über eine sozial erwünschte Alternative machen – sei es Informationen, Erfahrungen oder Handlungen.
  2. FOBO ist völlig unabhängig von Kultur, sozialen Gruppen oder Persönlichkeitstyp.
  3. Je mehr Alternativen zur Verfügung stehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von FOBO (auch wenn sie nur hypothetisch oder imaginär sind).
  4. Wenn die Zufriedenheit mit dem Thema (z.B. mit der bisherigen Lösung eines Problems) gering ist, ist FOBO wahrscheinlicher.
  5. Wenn die Möglichkeit besteht, die Zeit für die Entscheidung zu verlängern (z.B. wenn es keine Frist für die Entscheidung gibt), bleibt mehr Zeit für die Suche nach anderen Optionen, die FOBO verstärken können.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist der Entscheidungsspielraum in der konkreten Situation. Unsere Wahrnehmung könnte uns sagen, dass die verfügbare Menge an Optionen stabil ist, während die tatsächliche Dynamik viel volatiler sein könnte. Dies ist ein wichtiger Faktor für den Zeitpunkt, an dem der Entscheidungsprozess abgeschlossen werden sollte (der in der Regel früher liegt als wahrgenommen).

Die Tendenz, sowohl den Kontext als auch die Optionen zu sehr zu analysieren, kann sich ebenfalls erheblich auf den Entscheidungskontext auswirken, insbesondere bei einer „Maximierungskultur“, da wertvolle Zeit verloren gehen kann.

 

Wie kann man die Furcht vor besseren Optionen abschwächen?

Die Furcht vor besseren Optionen ist eine soziale Angst, die das Verhalten beeinflusst. Sie wird verstärkt, wenn eine „Maximierungskultur" herrscht - das Bestreben, durch rationale Entscheidungen das höchstmögliche Ergebnis zu erzielen.

Wenn wir das Phänomen der FOBO mit den angesprochenen Punkten in Verbindung bringen, kommen wir zu einer Reihe von Empfehlungen, wie man ihre Auswirkungen im Geschäftsleben (natürlich auch im privaten Bereich) verringern kann:

  • Akzeptieren Sie die Tatsache, dass es FOBO gibt und dass es sich bei Entscheidungsprozessen zeigen wird.
  • Definieren Sie einen klaren Zeitplan für die Entscheidungsfindung und halten Sie diesen ein.
  •  Erkennen Sie an, dass Informationen in der heutigen Geschäftswelt unvollständig sind und einige Optionen einfach fehlen werden > konzentrieren Sie sich auf die Elemente, die für die anstehende Entscheidung die höchste Relevanz haben (das Pareto-Prinzip ist hier gut zu beachten).
  •  Bedenken Sie, dass mehr nicht unbedingt besser bedeutet - das gilt auch für Optionen.
  •  Schaffen Sie einen soliden Entscheidungsprozess, der die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Organisation im Allgemeinen erhöhen kann (lesen Sie mehr über Möglichkeiten zur Steigerung der Entscheidungsqualität). Entwickeln Sie dabei klare Kriterien für Optionen, die in die engere Wahl kommen sollen.
  •  Begrenzen Sie Anzahl an Informationsquellen auf der Grundlage einer Qualitätsbewertung - insbesondere Social-Media-Kanäle erzeugen viel "Rauschen" und können die Illusion zusätzlicher Optionen erwecken, die nicht wirklich erwägenswert sind.
  • Stellen Sie sicher, dass eine Entscheidung getroffen und nicht aufgeschoben wird - dies geht Hand in Hand mit einer Organisationskultur, die die Entscheidungsfindung in den Mittelpunkt der Aktivitäten stellt.

 

Ein gewisses Maß an FOBO ist sowohl rational als auch nützlich, da die Wahl der ersten verfügbaren Option nicht unbedingt die beste ist. Es ist wichtig zu erkennen, dass ab einem bestimmten Punkt mehr Optionen die Chancen, ein Ziel zu erreichen, nicht erhöhen, sondern die Zielerreichung gefährden.

Eine bewusste Entscheidung zu treffen ist in der Regel besser als nichts zu tun, und es gibt Möglichkeiten, Ergebnisse später zu kalibrieren, die sich als weniger wünschenswert erweisen als geplant.

Wenn man sich nicht entscheidet, fängt man gar nicht erst an.




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